Auf der ostfriesischen Insel Baltrum und an vielen weiteren Stränden entlang der niedersächsischen Nordsee sind diese großen Müllsammelboxen aufgestellt. Hier kann alles entsorgt werden, was an die Strände gespühlt wird., © Janthe Olchers

Tourismus an der Nordsee: Nachhaltiges Wirtschaften liegt voll im Trend
Projekte zur Müllvermeidung und Sensibilisierung finden großen Zuspruch

Schortens/Wilhelmshaven, 1. Juni 2017 – Die Ernennung des niedersächsischen Wattenmeeres zum Nationalpark vor über 30 Jahren wurde seitens der Einheimischen, der Fischerei und der Tourismuswirtschaft mit einer gehörigen Portion Skepsis betrachtet. Spätestens mit der Ernennung zum UNESCO-Weltnaturerbe wandelte sich diese Einstellung. Vor allem der Tourismus, als stärkster Wirtschaftsfaktor im Norden Niedersachsens, hat den (Markt-)Wert dieser ursprünglichen Natur erkannt. Viele Leistungsträger haben sich dem nachhaltigen Wirtschaften verschrieben, damit die Natur für folgende Generationen erhalten werden kann. Der Wirtschaftsfaktor Tourismus hat dennoch unbestreitbare Schattenseiten: erhöhter CO2-Verbrauch sowie die Entstehung von Abwässern und Müll. Wie gehen die Betriebe vor Ort mit diesem Thema um?

Es gibt Menschen an der niedersächsischen Nordsee, die längst verstanden haben, dass es nur mit der Natur geht, nicht gegen sie. Unter den touristischen Leistungsträgern zählen die Familien Judick aus dem Wangerland und Recktenwald auf Langeoog zu den Pionieren des nachhaltigen Tourismus. Sie führen bereits seit Jahrzenten ihre Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe auf ökologische und soziale Weise ohne dabei ökonomische Grundlagen zu vernachlässigen. Heute gehören sie zum Netzwerk der Nationalpark-Partner. Dabei lassen sich Leistungsträger aus der Wattenmeer-Region freiwillig unter besonders strengen ökologischen Gesichtspunkten bewerten. Die Kriterien betreffen auch den Umgang und die Vermeidung von Müll. „Mülltrennung, Verzicht auf Einwegverpackungen sowie die Verwendung von Recycling-Papier sind absolute Muss-Kriterien“, sagt Jürgen Rahmel, Beauftragter der Partner-Initiative bei der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Positiv bewertet werden Wassersparmaßnahmen sowie die Verwendung von Regenwasser. Aktuell haben sich 69 Beherbergungs- und Gastronomie-, Fischerei- und Landwirtschaftsbetriebe, Wattführer, Freizeit- und Nationalpark-Einrichtungen angeschlossen.

Die Nordsee GmbH: Mit gutem Beispiel voran
Auch Niedersachsens Dachmarkenorganisation für die Küste und die Inseln, ist langjähriger Partner der Nationalpark-Initiative. „Wir kommunizieren nicht nur Nachhaltigkeit, wir leben sie auch“, sagt Carolin Wulke, Geschäftsführerin der Nordsee GmbH. Das Magazin „die nordsee“ ist klimaneutral gedruckt und zu 100 Prozent aus recyceltem Papier hergestellt. Anlässlich des EWE-Nordseelaufs im Juni wurden Shirts aus recyceltem Plastikmüll produziert. Es scheint, als habe sich in den vergangenen Jahren ein Trend zum nachhaltigen Wirtschaften entwickelt. „Auch die Gastgeberverzeichnisse von Bremerhaven, Juist und Langeoog sind klimaneutral und/oder auf Recycling-Papier gedruckt. Juist geht noch einen Schritt weiter: Bis zum Jahr 2030 will Niedersachsens schönste Sandbank komplett klimaneutral werden.

Aufklärung für kleine und große Gäste
Die Sensibilisierung ist der erste Schritt zur Vermeidung von Müll. Dafür organisieren die Nationalpark-Häuser in Zusammenarbeit mit den Touristikern vor Ort Informationsveranstaltungen für unterschiedliche Altersgruppen. In Butjadingen gibt es beispielsweise die Kids Watt Academy, eine Initiative des Nationalpark-Partners Centerparcs in Tossens. In diesem Jahr nahmen rund 150 Kinder teil. „Ziel ist es unsere kleinsten Gäste für Naturschutz, Müllvermeidung und die Problematik vom Müll im Meer zu sensibilisieren“, sagt Robert Kowitz, Geschäftsführer der Tourismus-Service Butjadingen GmbH & Co. KG.
Am 16. und 17. Juni finden die 2. Wangerooger Müllaktionstage statt. Gemeinsam mit dem Mellumrat e. V. und dem Nationalpark-Haus wird es eine Müllsammel-Aktion, Vorträge, Filmvorführungen und einer Müllsortierung unter Anleitung zweier Mitarbeiter von der Universität Oldenburg geben. Der Wangerooger Einzelhandelsverband verteilt darüber hinaus seit dem 29. Mai spezielle Stoffbeutel in den Läden. Ihre Gestaltung geht auf einen Malwettbewerb im vergangenen Jahr zurück. Zukünftig sollen die Stofftaschen die herkömmlichen Plastiktüten ersetzen.

Müllsammel-Aktionen erfahren rege Beteiligung
An den Stränden in Butjadingen, auf Baltrum, Juist oder Langeoog stehen die großen Müllsammelboxen. Hier können Strandbesucher alles entsorgen, was sie im Sand finden. Vieles davon wird vom Meer an die Strände gespült. An der Küste und auf den Ostfriesischen Inseln finden regelmäßig Müllsammel-Aktionen statt. Häufig werden die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung, des Naturschutzbundes Deutschland e.V. (NABU) und der Tourist-Informationen von Gästen begleitet.

Auf Baltrum findet alljährlich vor den Osterferien der Frühjahrsputz statt. Die Kurverwaltung erfährt dabei tatkräftige Unterstützung von der Schule, dem Kindergarten und Urlaubern. „Jedes Jahr werden so hunderte Kilo Müll gesammelt und fachgerecht entsorgt“ fasst Stephan Moschner von der Kurverwaltung zusammen.

Eine der größten Meeresschutz-Aktionen hat es mittlerweile an die Nordseeküste geschafft: der International Coastal Cleanup Day. Seit einigen Jahren holen die zuständigen NABU-Ortsverbände viele Freiwillige an die Wasserkante von Bremerhaven, Bensersiel, Norddeich und Langeoog. Auf Langeoog basteln die fleißigen Helfer aus den Fundstücken vom Strand alljährlich ein riesiges Müllmonster, das später seinen Platz im Haus der Insel einnimmt. „Wir hoffen, dass es in diesem Jahr weitere Coastal Cleanup-Termine entlang der Nordsee geben wird und unterstützen gern bei der Organisation und der Kommunikation an unsere Gäste“, so Carolin Wulke.

Bildunterschriften:

PF1: An einigen Stränden entlang der niedersächsischen Nordseeküste gibt es die großen Müllboxen, wie hier auf Baltrum. Darin kann alles entsorgt werden, was an den Strand gespühlt wird. (c)Jantje Olchers/Die Nordsee GmbH

PF2: Auf der ostfriesischen Insel Langeoog finden jährlich Müllsammelaktionen statt. Hier arbeiten Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, des NABU sowie Gäste und Einheimische gemeinsam für saubere Strände. (C)Tourismus-Service Langeoog

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