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Der fünfte Nordsee Tourismustag thematisierte den demografischen Wandel
Die Tourismuswirtschaft muss sich um ihren Nachwuchs kümmern

Der Fachkräftemangel ist bereits seit Jahren ein Begriff auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Tourismuswirtschaft blieb davon bislang nahezu unberührt. Wann und wie gravierend sich das in den kommenden Jahrzehnten ändert, zeigten die Fachvorträge auf dem diesjährigen Nordsee Tourismustag in Wilhelmshaven. Bereits zum fünften Mal organisierten Die Nordsee GmbH und der Tourismusverband Nordsee e. V. die Tagung. Rund 130 Vertreter aus (Tourismus-)Wirtschaft und Politik folgten der Einladung in das Columbia Hotel.

Nordsee Tourismustag 2013, © Die Nordsee GmbH

Schortens/Wilhelmshaven, 16. Januar 2013 - Der Fachkräftemangel ist bereits seit Jahren ein Begriff auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Tourismuswirtschaft blieb davon bislang nahezu unberührt. Wann und wie gravierend sich das in den kommenden Jahrzehnten ändert, zeigten die Fachvorträge auf dem diesjährigen Nordsee Tourismustag in Wilhelmshaven. Bereits zum fünften Mal organisierten Die Nordsee GmbH und der Tourismusverband Nordsee e.V. die Tagung. Rund 130 Vertreter aus (Tourismus-)Wirtschaft und Politik folgten der Einladung in das Columbia Hotel. 

Der Urlaub im eigenen Land steht bei den Deutschen nach wie vor hoch im Kurs, das zeigt beispielsweise die jährliche Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. (F.U.R.). Die wirtschaftliche Bedeutung dieser touristischen Nachfrage für die Nordsee-Region verdeutlichten Raymond Kiesbye,  Aufsichtsratsvorsitzender der Nordsee GmbH und Sven Ambrosy, Vorsitzender des Tourismusverbandes Nordsee e.V. während ihrer Begrüßungsworte. Eben diesem wichtigen Wirtschaftszweig fehlt in den kommenden Jahren der Nachwuchs. So können Ausbildungsstellen aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge nicht besetzt werden. Mit dem Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge aus den 50er und 60er Jahren verabschieden sich zudem zahlreiche Fachkräfte aus deutschen Unternehmen. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung haben sie nicht nur ein geschultes Auge für die Wünsche des Kunden, sondern auch eines für den Nachwuchs in ihrem Betrieb. „Der demografische Wandel wird auf den touristischen Arbeitsmarkt besonders großen Einfluss nehmen. Hier ist das Personal ein wesentlicher Erfolgsfaktor aufgrund der hohen Dienstleistungsintensität“, so Claudia Gilles im ersten Vortrag des Tages. Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes e.V. (DTV) sprach über den Prozess von der Wertschöpfung des Mitarbeiters zu dessen Wertschätzung. Die Tourismusbranche müsse sich künftig als potentieller Arbeitgeber bei den Nachwuchstalenten bewerben. Als mögliche Lösungsansätze nannte Gilles auch die Beschäftigung junger Eltern, die Integration älterer Arbeitnehmer sowie die Akquise qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland. 

Dass wir bei dem Thema Fachkräftemangel von unseren europäischen Nachbarn lernen können, zeigte Werner Biehl. Der Vorsitzende der Deutsch-Finnischen Gesellschaft Wilhelmshaven/Friesland organisierte 23 Jahre lang den Schüleraustausch zwischen einem finnischen Gymnasium und der Integrierten Gesamtschule Wilhelmshaven. Dabei lernte er das Bildungssystem und die Leitsätze der finnischen Bildungspolitik kennen: Nur Bildung kann zu wirtschaftlichem Erfolg des Staates führen. Wir brauchen jeden, hoffnungslose Fälle können wir uns nicht leisten. Der Bildungsanspruch der finnischen Gesellschaft sei sehr hoch, erklärte Biehl. So werde bereits der Kindergarten zur Bildungsstätte. Nahezu 100 Prozent des finnischen Nachwuchses käme in Kindertagesstätten unter - eben dort, wo die finnische Bildungsoffensive beginnt. Bereits diese frühe Möglichkeit von Erziehung und Bildung, bleibe in Deutschland vielen Kindern verwehrt. Auch die spätere Eingliederung in das weiterführende Schul- und Ausbildungssystem sei stark von sozialen Hintergründen gekennzeichnet. „Zur Zeit verzichten wir auf einen unglaublichen Fundus von jungen Leuten, die mit ihrem Engagement, Geschick und ihrer Kreativität einen wichtigen Beitrag leisten könnten“, so Biehl weiter. Nach der sozialen Verantwortung gegenüber dem Nachwuchs, die Biehl forderte, nannte Prof. Dr. Bernd Eisenstein einen rein ökonomischen Grund. Ein Unternehmen werde sich um die künftigen Schulabgänger bemühen müssen. Dies sei eine logische Konsequenz aus dem demografischen Wandel, so Prof. Dr. Eisenstein.  

Die schrumpfende Bevölkerung, bei einer insgesamt höheren Altersstruktur erfordert zudem eine Neuorientierung im Destinationsmarketing. „Sie müssen diese reiseerfahrenen Senioren zu sich in die Destination bekommen. Das Reisen mit Handicap oder trotz altersbedingter Erkrankung wird eine große Rolle spielen. Gäste müssen sich auch im hohen Alter sicher fühlen.“, so Eisenstein. 

Abschließend stellte Christoph Muth, General Manager des Center Parcs Nordseeküste, die Freizeitanlage in Tossens (Butjadingen) vor. Hier werden nicht nur die Gäste nach ihrer Zufriedenheit gefragt, sondern auch die Mitarbeiter. „Zum Wir-Gefühl“ gehören jährliche Fortbildungsmaßnahmen in der belgischen Unternehmenszentrale und Engagement des Center-Parcs-Teams bei Sportveranstaltungen in der Region. 

Im Anschluss an die Vorträge des diesjährigen Nordsee Tourismustags fand eine Podiumsdiskussion statt. In Hinblick auf die Landtagswahlen am kommenden Wochenende und angesichts sinkender Fördermittel ab 2014 stellten sich Vertreter von SPD, Die Linke, FDP und Bündnis90/Die Grünen einigen wichtigen Fragen, wie der Realisierung der Masterpläne Niedersachsens. Seit 2009 sind der Tourismusverband Nordsee e.V. und Die Nordsee GmbH gemeinsam mit ihren Mitgliedern mit der Umsetzung des Masterplans Nordsee 2015 beschäftigt. Doch was passiert nach Ablauf der aktuellen Förderperiode Ende dieses Jahres? Der effiziente Einsatz von Fördermitteln sei entscheidend, man müsse jedoch auch über zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken, sagte Olaf Lies. Er sieht die Fremdenverkehrsabgabe als denkbaren Ansatz für die zukünftige Finanzierung des Tourismus. Es müsse jedoch erkennbar sein, dass die Abgabe auch dem Tourismus sowie der dafür benötigten Infrastruktur zugutekommt. Enno Hagenah, Bündnis 90/Die Grünen, sprach sich hingegen für eine Anhebung der Spitzensteuersätze bzw. die Einführung einer Vermögenssteuer aus, um dem Land die nötigen Mittel für die Finanzierung touristischer Projekte zur Verfügung zu stellen.   

Darüber hinaus kämpfen Touristiker und niedersächsische Landesvertreter bereits seit Jahren für eine Entzerrung der Ferienzeiten. Olaf Lies (SPD) und Enno Hagenah (Bündnis 90/Die Grünen) waren sich darüber einig, dass es im Interesse aller Bundesländer liege die Ferienzeiten bzw. die Saisonzeiten zu verlängern. 

 

Bildunterschrift_Foto1: Nordsee Tourismustag 2013 – die Organisatoren und Referenten v.l.n.r.: Raymond Kiesbye (Aufsichtsratsvorsitzender der Nordsee GmbH, Werner Biehl, Amke Behrends (Die Nordsee GmbH), Claudia Gilles (DTV), Oliver Melchert (Die Nordsee GmbH), Prof. Dr. Bernd Eisenstein, Christoph Muth (Center Parcs Nordseeküste), Sonja Janßen (TVN)

Bildunterschrift_Foto2: Im Anschluss an den Nordsee Tourismustag 2013 gab es eine Podiumsdiskussion organisiert vom Tourismusverband Nordsee e. V. (TVN). Personen v.l.n.r.: Sonja Janßen (TVN), Jasmin Roos (Die Linke), Enno Hagenah (Bündnis 90/Die Grünen), Gabriela König (FDP), Carola Schede (Moderation), Olaf Lies (SPD)

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