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Eiskalte Leidenschaft
Thalasso pur: Paar zieht es bei Wind und Wetter einmal täglich in die Norddeicher Nordsee

Acht oder neun Grad? - Harald und Annemarie Marxmeier wollen es genauer wissen. Seit sechs Jahren wagen die beiden Wahl-Ostfriesen fast täglich den Sprung in die derzeit noch kühlen Fluten der Nordsee. Zur Freude ihrer Ärzte – und zur Verwunderung manch dick vermummter Urlaubsgäste, die dem rüstigen Paar und einer kleinen Gruppe Unerschrockener regelmäßig am Norddeicher Sandstrand begegnen. Eine Reportage vom Rand des Meeres, das sich See nennt.

Ganzjahresschwimmer, © Kurveraltung Norden-Norddeich

Acht oder neun Grad? - Harald und Annemarie Marxmeier wollen es genauer wissen. Seit sechs Jahren wagen die beiden Wahl-Ostfriesen fast täglich den Sprung in die derzeit noch kühlen Fluten der Nordsee. Zur Freude ihrer Ärzte – und zur Verwunderung manch dick vermummter Urlaubsgäste, die dem rüstigen Paar und einer kleinen Gruppe Unerschrockener regelmäßig am Norddeicher Sandstrand begegnen. Eine Reportage vom Rand des Meeres, das sich See nennt.

Uwe Burgmeier aus dem erweiterten Speckgürtel von Frankfurt am Main traut seinen Augen nicht: „Bei aller Liebe – da wird einem ja schon beim Zusehen kalt“, flüstert der staunende 47-Jährige, während er die Kapuze seines dunkelblauen Parkas noch ein bisschen enger zieht. Frischer Nordseewind weht aus Südwest, die See vor dem Nordseeheilbad Norden-Norddeich schunkelt sich mit ihren weißen Schaumkronen langsam aber sicher ein, als Harald Marxmeier ohne großes Zögern den ersten Fuß in die salzigen Fluten setzt. „Die Temperatur des Wassers ist es nicht, worauf wir besonders achtgeben müssen – vor allem sollte man sich vorher und hinterher gut vor dem kühlenden Wind schützen – der hat es nämlich in sich“, weiß der 84-Jährige.

Immer zur Hochwasserzeit sind sie da: er, das gebürtige Nordlicht aus Bremen, das viele Jahre weitab der See im fernen Wuppertal verbracht hat, seine Frau Annemarie, 77 Jahre jung - und eine Handvoll Norderinnen und Norder, die ihre bisweilen eiskalte Leidenschaft für die Nordsee teilen. Fast jeden Tag. „Und bei beinahe jedem Wetter“, sagt Harald Marxmeier lächelnd und kramt aus der Tasche seines Rucksacks am Sandstrand von Norden-Norddeich jenes Foto heraus, das ihn inmitten einer eisig-gezuckerten winterlichen Nordsee zeigt.

Gesundheit – einen Wellenschlag entfernt
Angefangen hatte für ihn und seine Frau alles vor rund sechs Jahren, als sie nach einer komplizierten Operation aufs Fahrrad verzichten musste und auch die Wege zu Fuß immer beschwerlicher wurden. Durch den natürlich hohen Salzgehalt und die Auftriebskraft des Meerwassers war Schwimmen da eine willkommene und schonende Alternative für die agile Rentnerin. Und wie gewöhnt man sich nun am besten an die zugegeben gerade in der dunklen Jahreshälfte nicht immer einladenden Wassertemperaturen? „Ganz einfach: Sie fangen im Sommer an, wenn die Nordsee noch schön warm ist – dann tasten Sie sich ganz natürlich immer weiter vor, wenn es Herbst wird“, erklärt Annemarie Marxmeier, während sie beim Abstieg über die Badetreppe behutsam ihren dunkelgrauen Gehstock zur Seite legt.

Seit sie ihrem vom Ufer oftmals ungläubig beobachteten Treiben nachgehen, hat sich nicht nur für die Marxmeiers gesundheitlich Manches verändert. Brigitte Niebel, 74 und ebenfalls eine der Norddeicher „Dauerschwimmer“, schwört bereits seit dreißig Jahren auf das tägliche Bad in der Nordsee. „Das beschäftigt meinen Körper – Grippe, Neurodermitis oder die heute so allgegenwärtigen Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind für mich kein Thema mehr“, ist die gebürtige Norderin überzeugt.

Unterwegs mit dem „Messdiener“
Inzwischen ist Harald Marxmeier schon einige Minuten im Wasser – und zückt ganz plötzlich seinen treuen Begleiter – ein kleines schwarzes Thermometer. „Die anderen nennen mich deshalb gerne ihren Messdiener, aber auf meine exakten Temperaturhinweise wollen sie dann doch nicht verzichten“, schallt es über die gekräuselten Wellen der Nordsee zum Ufer herüber. Genauso wenig wie die Retter der Norddeicher DLRG-Station, welche die Marxmeiers längst persönlich kennen – und beim Ausstieg aus den Fluten schon mal nach den aktuellen Werten fragen. „Die dichten für die Aushänge dann gerne mal ein bis zwei Grad hinzu – dann ist die Überwindung nicht so groß“, grinst der heimliche Norddeicher „Thalasso-Experte“, als er nach einer gefühlten Ewigkeit zielsicher auf das Ufer zusteuert.

Acht oder neun Grad  - die Frage spielt nicht nur an diesem durchwachsenen Apriltag aber dann doch noch aus anderer, ganz praktischer Sicht eine wichtige Rolle. Schließlich gibt die Temperatur des Wassers vor, wie lange sich die bis zu sechs unerschrockenen Schwimmer der Norddeicher Gruppe in den Schoß der Nordsee begeben. „Neun Grad – das bedeutet für uns: etwa neun Minuten Schwimmen“, erklärt Annemarie Marxmeier. Inzwischen hat die 77-Jährige längst wieder ihre hellrote Badekappe ab- und die winddichte blaue Übergangsjacke angelegt. Diese schaut ganz ähnlich aus wie der Parka von Uwe Burgmeier, der vor lauter Begeisterung ins Grübeln kommt. Warum? Ja, warum eigentlich nicht?!

Bildunterschriften:
BU1: Treffen sich immer zur Hochwasserzeit am Sandstrand des Nordseeheilbads Norden-Norddeich (v.l.): Brigitte Niebel, Annemarie und Harald Marxmeier.
BU2: „Ungläubige Blicke ernten wir natürlich oft – gerade im Winter. Wir versuchen dann immer, die Leute von der Heilkraft des Meeres zu überzeugen“, sagt Annemarie Marxmeier.
Bildrechte: Carsten Lippe/Kurverwaltung Norden-Norddeich
Autor: Carsten Lippe, Kurverwaltung Norden-Norddeich

 

Gut übernachten