Das Wattenmeer gehört zum Weltnaturerbe.
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So vergeht die Zeit zum nächsten Nordseeurlaub noch schneller!
Die niedersächsische Nordseeküste mit ihren sieben Ostfriesischen Inseln ist in den Wintermonaten genauso reizvoll wie im Sommer - nur eben anders: Spröde und heftig, zuweilen melancholisch, dann wieder frisch und offen, wenn man sich vom Charme des Windes, der Weite, vom Sand und Strand, von Deichen, Watt und dem platten Land einfangen lässt. Süchtig machend, weil alles intensiv erlebt wird. „Warmherzig“, denn das Klima ist auch im Winter angenehm, weil der Golfstrom hier noch zu spüren ist. Die See rauscht, die Wellen brechen sich am Strand und an den Deichen, eine ewig schöne Melodie. Als „Strandkieker“ dick eingemummt und tief durchatmend am Strand laufen, auf dem Deich wandern oder durch die Priele und das Watt waten. Nach Muscheln und Strandgut der letzten Flut „kieken“.
Die Luft ist glasklar, man schmeckt die Salznebel, die entstehen, wenn die Wogen auf den Strand klatschen. In Restaurants und urigen Kneipen gibt es jetzt Grünkohl mit Pinkel, und wenn der Wind uns kräftig durchgepustet hat, macht Glühwein wieder die „Wangen rot“. Wer nun meint, an der Nordseeküste und auf den Inseln sei im Winter nichts los, irrt gewaltig! Die Veranstaltungskalender beweisen nämlich das Gegenteil. Der Shantychor singt Lieder von der Waterkant, vom weiten Meer und Heimweh der Matrosen. Die Laienspielgruppen geben jetzt ihr Bestes, weil mehr Zeit ist zum Üben. Die Heimatmuseen und Nationalparkhäuser haben geöffnet, und wer Kontakt zu Einheimischen sucht, findet ihn jetzt bestimmt.


Winterzeit, Boßelzeit. Boßeln ist ein uralter Sport an der Küste und wird in Gruppen auf den Straßen gespielt: Zwei Mannschaften rollen die Holz- oder Hartgummikugeln die Straßen entlang - entscheidend ist, dass die Kugeln möglichst lange auf den Straßen bleiben und nicht in die allgegenwärtigen Gräben plumpsen.


Radwandern allein oder mit anderen. Auf fast menschenleeren und autofreien Straßen, auf endlosen Deichen, Radwegen oder querfeldein. Über Nacht ist der Winter an der Küste eingezogen. Dünenketten sind wie mit Puderzucker bestreut, nur das Dünengras lugt noch hervor. Die Hafenmole, die Kisten und Paletten, die hier lagern, sehen aus wie in Watte gepackt, die Duckdalben am Kai heben sich rabenschwarz gegen den Schnee ab. Das Strauchwerk wirkt silbrig und glitzert in der aufgehenden Sonne. Die Wolken sind schwer und grauweiß und versprechen noch mehr Schnee. Einsamkeit am Strand - keine Spuren weit und breit. Alles hat der Schnee fein zugedeckt: Hügel und Täler, die gestern noch der Wind formte. Am Brandungssaum hat sich bei ablandigem Wind eine breite Bank aus Schnee zwischen Meer und Sand gebildet.
Möwen kreischen, sind es hundert oder tausend? Qui'wiehp, qui, qui, qui“, das ist der Ruf der Austernfischer, und ihre Sprache ist von der Ems bis zur Elbe die gleiche. Erkennbar sind sie am schwarzweißen Gefieder, am leuchtend roten Schnabel und den roten Füßen. Ureinwohner sind sie am Strand der Nordseeküste und auf den Ostfriesischen Inseln. Ihre Nahrung sind Wattwürmer, Muscheln und Krabben. Ihre Heimat ist der einzigartige Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, ein Lebensraum, in dem bei Ebbe so große Flächen trockenfallen wie nirgendwo sonst auf der Welt: Die Nordseeküste mit den Ostfriesischen Inseln, mit Ebbe und Flut; 6 Stunden und 15 Minuten bis zum Hochwasser, und noch einmal 6 Stunden und 15 Minuten bis zum Niedrigwasser. Die Küste - Land, Deiche, Salzwiesen, Strand, die „Waterkant“. Die sieben Inselschwestern vor der Ostfriesischen Küste - nichts anderes als durch und durch große Sanddünen, vor Urzeiten aufgeweht, die immer noch von West nach Ost wandern.

Auf den Spuren des legendären Seeräubers Klaus Störtebeker kann man heute auf der Störtebekerstraße ganz bequem einmal die gesamte niedersächsische Nordseeküste inspizieren - von Emden über Wilhelmshaven und Bremerhaven bis nach Cuxhaven und Otterndorf, immer nur am Deich entlang. Linker Hand der Deich, das Vorland und das weite Meer. Rechts das platte Land mit Wiesen bis zum Horizont und Geest mit Heide, Wald und Mooren. „Mittenmang“ blitzblank geputzte Wurtendörfer - ganze Dörfer auf einem Hügel, mit backsteingepflasterten Straßen. Auf dem höchsten Punkt steht immer die Kirche mit separatem Glockenturm, dessen Dach bei Schnee mit einer weißen Pudelmütze geschmückt ist. In vielen Dörfern drehen sich noch die großen Flügel einer Galerie-Holländer-Windmühle, deren Achtkant mit Reet eingedeckt ist. Wandern am Strand und die beste Luft Deutschlands einatmen, wenn sich am Brandungsrand der See feinste Nebel bilden. Weit und breit ist keine Menschenseele mehr auszumachen. Überall Krabbenkutterhäfen, romantisch, betulich, mit Treppengiebelhäusern aus längst vergangener Zeit. Winterschlaf: Die Kutter machen jetzt im Heimathafen wohlverdienten „Urlaub“, zwischen Schnee und Schollen sozusagen, denn ihre nächste Fangsaison beginnt erst wieder im März. Ganz anders präsentieren sich die Ostfriesischen Inseln von Borkum bis Wangerooge, die man auch im Winter mit Fähren erreichen kann: Dünengebilde mit breiten Stränden und den Salzwiesen. Das Wattenmeer, jetzt eine unendlich weite Schneelandschaft, die von Prielen durchzogen ist. Jede der sieben Inseln hat ein anderes Gesicht, jede einen anderen Charakter - und jede ihre eigene Fangemeinde.
Vor Cuxhaven liegt Neuwerk mit dem Backstein-Leuchtturm aus dem 12. Jahrhundert, einst Trutzturm der Hanse gegen die Seeräuber. Die Insel ist von Cuxhaven aus auch im Winter zünftig mit der Wattkutsche zu erreichen.