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Das wechselhafte Schauspiel am Himmel hat die Menschen durch die Jahrhunderte fasziniert. Wetter bewegt
"Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter – oder es bleibt, wie es ist.“ Diese Weisheit ist hinlänglich bekannt und meint, dass noch so alte Regeln oder auch mathematisch errechnete Vorhersagen alles andere als zuverlässig sind. Wetter hat die Menschen schon immer fasziniert. Wetter bewegt. Und alle reden vom Wetter – wie einst allabendlich „Mister Tagesthemen“ Ulrich Wickert mit seinen feinfühligen Überleitungen zum alltäglichen Wetterbericht. Alle kennen so genannte Volkswetterregeln, auch Bauernregeln genannt, weil jeder irgendwie vom Wetter abhängig ist. Irgendwann ertappen wir uns alle beim Blick in den weiten norddeutschen Himmel. Sei es morgens auf dem Fahrrad auf dem Weg zu Arbeit, zum lange geplanten Strandtag oder zum sonntäglichen Inselausflug. Aber wenn Wetter doch nur so einfach wäre.

„Wetter – wir machen mehr daraus“, verspricht die Schweizer „Meteomedia AG“ des bekannten Wetterfroschs Jörg Kachelmann und sorgt selbst bei trüben Wettervorhersagen noch für frischen Wind. Live flimmern die Wettersendungen in der ARD mit ihren dritten Programmen über die Mattscheibe – und mit ihnen seit Juni 2000 meistens auch die aktuellen Wetterdaten des Studios Niedersachsen auf der Nordseeinsel Borkum. Hoch oben unter dem pyramidenförmigen Dach des Kinderspielhauses, gleich neben dem futuristisch anmutenden Kurhaus, wertet Meteorologe Axel Schnohr die hochauflösenden Satellitenbilder aus. Ein Wetter zum Heldenzeugen, wie man scherzhaft sagt: Der Himmel ist blau und die Sonne strahlt.
Der erfahrene „Kachelmann“ will gut Wetter machen. Aber das ist auf der Insel gar nicht so einfach. Schnohr, der gebürtig aus der Nähe von Geesthacht in Schleswig- Holstein stammt, musste erst einmal auf der größten ostfriesischen Insel Erfahrung sammeln – und Lehrgeld zahlen. Denn Wetter auf der Insel ist anders. Und das liegt hauptsächlich an der Wassertemperatur, die sie umgibt.
So dauert der Sommer beispielsweise zwar länger. „Fängt dafür aber auch später an“, sagt Schnohr. „Die Inseln sind auch weitaus windanfälliger als Orte auf dem Festland.“ Und: „Wind ist Wetter und Wind macht Wetter.“ So bekommt Borkum als Außenposten weit draußen in der Emsmündung vor allem bei Nordwestlagen Wetter zuerst zu spüren. „Kleine Randtiefs, die kein meteorologisches Computer-Modell vorher erfasst hat, können sich innerhalb von wenigen Stunden bilden.“ Wetter ist eben ein eigenwilliges System, das selbst Supercomputer nicht immer im Griff haben und die auch die erfahrenen Meteorologen nicht ersetzen können, die mit den Eigenheiten des örtlichen Klimas bestens vertraut sind.

Wetter ist eben anders an der Nordsee
„Es ist manchmal schwer, das Geschehen am Himmel in Formeln zu fassen“, erläutert Axel Schnohr. „Vor allem bei Hochnebellagen.“ So kann beispielsweise auf Borkum und den Nachbarinseln von früh bis spät die Sonne scheinen.Weiter östlich liegen hingegen im dichten Nebel. Allein auf Borkum kann es zur selben Zeit zu Temperaturunterschieden von zehn bis zwölf Grad zwischen Ort und Hafen kommen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die örtlichen Temperaturen für den nächsten Tag möglichst auf ein Grad genau vorherzusagen“, lautet der Kachelmannsche Anspruch. „Oft wissen wir auch viel mehr über das morgige Wetter, als wir in der knapp bemessenen Sendezeit rüberbringen können.“ Richtig ärgerlich wird es für den Wettermann, wenn es beispielsweise in überregionalen Wettervorhersagen lapidar heißt: Auf den Inseln kühler. „Eine Halbwahrheit, die immer dann kursiert, wenn es wirklich warm wird.“ Darüber sind natürlich auch die Kurdirektoren an Niedersachsens Nordseeküste verstimmt. „Vor allem für unsere Tagesgäste sind genaue Wetterinformationen unerlässlich“, weiß Wangerlands Kurdirektor Reinhard Thomssen beispielsweise von einer Wetterscheide in Höhe von Varel zu berichten. Weil die nächste Station aber in Oldenburg stand, waren die Prognosen für die friesische Küste häufig falsch. „Wenn es im Binnenland regnet, kann bei uns an der Küste aber die Sonne scheinen.“
Wetter ist eben anders an der Nordsee, da die seeseitigen Luftmassen bei nördlichen Winden erst über dem Festland abgebremst werden, sich aufstauen und die Wolkenbildung verstärken: die so genannte Küstenkonvergenz – oder wie Wickert sagen würde: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, sind wir, wo es schöner ist!“ - Das Wetter . . .
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