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Sowieso: Wie vergräbt sich überhaupt eine Muschel im Sand? Frauke legt einige Muscheln, die sie zuvor ausgegraben hat, auf den Meeresgrund. Wir stellen uns in einen Kreis und schauen zu, was die Muscheln machen. Plötzlich bewegen sie sich und sind mithilfe ihres Fußes bereits nach wenigen Minuten im Sand verschwunden und es scheint so, als wären sie nie da gewesen. Voller Stolz kommt ein Junge auf unsere Wattführerin zu und zeigt ihr seinen Fund. „Es ist ein Krebs! Leider nicht mehr lebendig“, sagt sie. Doch nun kann Frauke uns umso besser zeigen, wie man das Geschlecht bei einem Krebs erkennen kann. Da es ein Junge war, hat es die Form eines spitzen Dreiecks, wäre er ein Mädchen gewesen, hätte das Geschlecht mehr wie ein Halbmond ausgesehen.

Auch die Kleinsten lieben den Schlick!

Wir gehen alle gemeinsam weiter, denn Frauke will nun ihre Grabeforke zum Einsatz bringen. Sie hält Ausschau nach besonders großen Spaghetti-Sandhaufen und wird fündig. Denn unter diesen Häufchen befindet sich nämlich der Wattwurm und auf den sind wir alle sehr gespannt. „Er ernährt sich vom Sand, in dem Algen sind und wenn er fertig mit essen ist“, erklärt uns Frauke, „dann pupst er eine Wattspaghetti aus.“ Und das passiert ziemlich oft! Etwa alle 45 Minuten, kriecht er rückwärts aus seiner U-förmigen, etwa 20 Zentimeter tiefen Röhre und hinterlässt fix alles, was sein Körper nicht mehr braucht. Der Wurm ist hartgesotten – Angriffe von Vögeln auf sein Schwanzende etwa sind nicht weiter schlimm für ihn: Er lässt das letzte Stückchen einfach abfallen und verschwindet wieder auf dem Grund seiner Röhre. Und solange er während des Stuhlganges nicht mehr als sein Schwanzende verliert, kann er bis zu zehn Jahre alt werden.

Frauke fängt wieder an zu buddeln und befördert dabei tiefschwarzen Wattboden an die Oberfläche. Deutlich zeichnet sich die Röhre des Wurms vom Sand ab, der so dunkel ist, weil kein Sauerstoff mehr an ihn herankommt. Und da ist er auch schon! Er hat eine schöne bräunlichrote Farbe und zu seinem ausstülpbaren Rüssel hin wird er dunkler. Der Rüssel lässt sich auch daran leicht erkennen, dass er viel dicker ist als das Schwanzende. Irgendwie ähnelt er einem Regenwurm, meinen wir. Aber das hört Frauke gar nicht gern. Da packt sie der Ergeiz und sie buddelt nach einem weiteren Wurm. Und von dem, was sie da zu Tage befördert, sind wir schwer beeindruckt! Alle Ähnlichkeiten zu anderen Würmern sind vergessen – dieser hier ist bemerkenswert groß!

Und immer wieder etwas Neues zu entdecken

Im Vergleich zu uns Erwachsenen gehen die meisten Kinder recht unbefangen mit dem Wattwurm um und halten ihn sogleich in der Hand. „Was ist denn das?“, rufen sie ganz aufgeregt, da ihre Hände auf einmal ja ganz gelb seien! „Der Wurm sondert Jod ab“, weiß Frauke und beruhigt: „Aber das geht beim Händewaschen wieder weg.“ Wir machen uns auf den Rückweg und wandern an einer Buhne entlang, an der man besser stehen kann. Denn für die Kinder ist das mit dem Watt gar nicht immer so einfach – sie haben es ja nicht so mit dem Stillstehen und je mehr sie auf dem wabbeligen Boden auf der Stelle treten, desto tiefer versinken sie im Boden.

Die Buhne ist mit Pflanzen überwuchert – Pupsies nennt Frauke die. „Wenn man auf die Blasen tritt, gibt es nämlich das entsprechende Geräusch!“ Ursprünglich heißen sie Blasentang. Und wie das bei Nichtschwimmern mit Schwimmflügeln ist, so funktioniert es auch bei dieser Algenart: Wenn die Flut kommt, treiben sie nach oben und ruhen dann auf der Wasseroberfläche.

Zwei waschechte Wattwanderer

Inzwischen ist es uns doch etwas kühl geworden. „Das liegt natürlich nicht am Wetter, sondern eher daran, dass wir nicht richtig angezogen sind, denn schlechtes Wetter gibt es an der Nordsee nie, nur die falsche Kleidung!“, sagt Frauke. Und sie muss es schließlich wissen, da sie ein original Küstenkind ist. Wir verlassen das Watt und stellen uns an den etwas windstiller gelegenen Deich, denn es gilt ja noch zu lösen, warum der Gezeitenunterschied in manchen Gegenden größer als in anderen ist: Der Grund hierfür ist die Form der Meeresbecken und der Küstenlinie. „Im Vergleich zum Atlantischen Ozean etwa ist die Nordsee eine kleine Pfütze“, schildert Frauke den Unterschied. „Gerade mal ein bis zwei Meter beträgt der Unterschied, an der kanadischen Fundy-Bucht im Atlantik sind es mehr als zwölf!“


Unsere Entdeckungstour durchs Watt ist nun zu Ende. Wir haben alle viel gelernt, vor allem viel Spaß gehabt! Und Urlaub ist ja, wenn man Zeit miteinander verbringt und nicht wenn das Wetter schön ist“, wie Frauke uns zum Abschluss noch mit auf den Weg gibt – und dafür ist ein Wattspaziergang einfach ideal!

 

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