Das Wattenmeer gehört zum Weltnaturerbe.
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So vergeht die Zeit zum nächsten Nordseeurlaub noch schneller!
Wenn nach sechseinhalb Stunden Flut das Wasser verebbt, gibt es im Nordseewatt kleine Sensationen zu entdecken

Es ist früher Abend, als wir uns auf den Weg zum Harlesieler Strand machen. Unser Ziel: der Kinderspielplatz – aber nicht um uns dort auszutoben, sondern er ist Treffpunkt für unsere Wattwanderung. Zu übersehen ist unsere Gruppe nicht: Leuchtend bunte Regenjacken und Surfschuhe in Knallfarben, getragen von Kindern und ihren Eltern, fallen uns schon von weitem ins Auge. Unverkennbar in der Mitte steht unsere Wattführerin: eine Grabeforke in der Hand, einen Rucksack auf dem Rücken, mollig warm eingepackt, mit einem blauen Fischerpulli, dem Takelhemd darüber. Ein Tuch auf dem Kopf und leichte Schlickspuren an den Beinen – das ist Frauke Deppe.
So wie sie aussieht, ist sie auch: locker und unkompliziert. Sie stellt sich vor, erklärt, dass wir etwa ein bis eineinhalb Stunden unterwegs sein werden und sie am Ende der Führung gern noch all jene Fragen beantworten wird, die während des Spazierganges die Kinder langweilen könnten.

Und dann machen wir uns auch schon auf den Weg, schließlich „müssen wir ja mal gucken, wo das Watt ist“, sagt sie schmunzelnd. Nicht nur für die Kinder ist es der erste Wattspaziergang, auch viele Erwachsene sind noch nie auf dem Meeresboden gewandert. Bevor es jedoch hineingeht, fragt sich Frauke, ob das Wasser Angst vor den Ostfriesen hat, denn es sei so oft weg, wenn sie kommt. „Woran das wohl liegt?“
Die Antwort kommt prompt und bildlich: Ein Mädchen ist die Erde, zwei weitere stehen rechts und links von ihr und halten sich an den Händen. Sie sind das Wasser. Nun kommt der Mond mit ins Spiel. Dieser zieht an den Händen, also am Wasser der Erde. Dort ist dann Flut. Ebenso auf der gegenüberliegenden Seite: Hier arbeitet die Fliehkraft der Erde, die dort stärker ist als die Anziehungskraft des Mondes. Auf den beiden anderen Seiten der Erde ist Ebbe.
Dass Ebbe und Flut sich jeweils zweimal am Tag abwechseln, liegt daran, dass sich die Erde jeden Tag einmal um sich selbst dreht und somit den beiden Flutbergen je einmal begegnet. Und wenn Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen, kommt es durch diese Planetenstellung zu besonders hohen Fluten, den Springfluten. Nachdem das geklärt ist, gehen wir endlich ins Watt. Allerdings hat Frauke uns eine neue Frage aufgetischt, die es am Ende der Wanderung zu lösen gilt: „Warum gibt es an manchen Meeren einen größeren Gezeitenunterschied als an anderen?“



Jetzt heißt es aber erst mal auf Entdeckungstour gehen. Und die startet gleich mit der Suche nach Wattkühen. Diese sind leicht zu finden. Sie sind zwar sehr klein, doch im Wattenmeer wimmelt es nur so von ihnen. Wir halten nach einem winzigen dunklen Punkt Ausschau, wenn der sich fest anfühlt, müssen wir ein bisschen reiben, um den Sand zu entfernen: Und schon haben wir eine in der Hand! „Eigentlich heißen die Wattkühe ja auch Wattschnecken, doch da sie winzige Algen abgrasen und somit nichts anders machen als Kühe, passt der Name Wattkuh ja auch ganz gut“, erklärt Frauke.
Das Wattenmeer ist ein Eldorado für viele Lebewesen. So wie wir uns an der Autobahnraststätte auf der Fahrt an die Nordsee erholen, machen es hier auch viele Vögel im Herbst und Frühjahr. Auf und im Meeresboden leben Miesmuscheln und Austern. Auch sie essen mikroskopisch kleine Algen. „Doch wie kommen sie ran an das Wasser, in dem sich ihre Nahrung befindet“, fragt uns Frauke. Antwort: „Es ist wie bei der Capri-Sonne: So wie diese mit einem Strohhalm getrunken wird, saugen auch die Muscheln das Wasser an, filtern die Nährstoffe heraus und lassen das Wasser wieder hinaus.“ Plötzlich ruft ein kleines Mädchen, was denn eigentlich diese Sternform hier im Sand zu bedeuten habe. „Das sieht wirklich hübsch aus!“ Dabei handelt es sich um den Wohnort der Pfeffermuschel, die ihre Nahrung ebenfalls aufsaugt und dabei diese Form hinterlässt.