Memmert - Die verbotene Insel

Die Vogelinsel Memmert im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer steht seit 100 Jahren unter besonderem Schutz.

 

Memmert. Wann immer ich diesen Namen höre, schwingt eine leise Melodie mit. Taucht aus dem Dunkel plötzlich ein Bild auf: Wie oft haben wir im Musikunterricht dem Klavierspiel unseres Lehrers gelauscht, der gedankenverloren darin und in sich selbst versank und häufig erst mit dem  Pausenklingeln wieder auftauchte. „Robinson spielt gern Klavier“. Unter diesem Titel widmete das Fernsehen unserem Pauker sogar 1965 ein filmisches Denkmal. Denn bevor Gerd Pundt in den Schuldienst wechselte, lebte er von 1956 bis 1973 als Vogt einsam und verlassen mit seiner Familie auf der Vogel- und Naturschutzinsel Memmert, die in Sichtweite der Nordseeinsel Juist im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegt.

 

Sie gehört neben Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge zu den Ostfriesischen Inseln. Memmert reiht sich aber nicht in die Kette dieser Inseln ein, sondern liegt unterhalb ihrer Reihe im Südwesten von Juist. Das Eiland darf im Gegensatz zu den Nachbarinseln allerdings nur betreten, wer eine schriftliche Erlaubnis hat – oder wer in Seenot geraten ist. Dies gilt seit 100 Jahren und macht die Insel zum Sehnsuchtsziel für moderne Abenteurer. Der Zweck: Austernfischer und Bekassine, Säbelschnäbler und Seeschwalbe, Brandgans und Ente, Möwe und Schnepfe sollen hier ungestört brüten und ausruhen sowie sich an Muscheln, Würmern, Krebsen und Fischen sättigen können.

 

Wir pubertierenden Jugendlichen haben nie richtig zugehört,wenn Gerd Pundt von einsamen Abenden, überwältigenden Sonnenuntergängen und der einzigartigen Natur erzählte. Er klinkte sich lieber aus und ließ die Landschaft vor seinem geistigen Auge vorüberziehen: die gigantischen Vogelkolonien, die leeren Strände, die bizarren Himmellandschaften. Die Weite von Watten, Meer und die grenzenlosen Horizonte. Endlose, atemberaubende Natur. Wenn im Winter das dünne Weiß der Schneedecke so vollständig mit dem vernebelten Horizont verschmilzt und sich die Insel in der orientierungslosen Weite der Nordsee verliert. Im Sommer lastet der geräuschlose Friede schwer auf dem weiten satten Grün. Bernsteinfarbenes Licht ergießt sich über Bäume und Büsche, Wind spielt in den Blättern, unzählige Mücken tanzen über den Wassern.

 

Für Gerd Pundt, der mit Klara, der ältesten Tochter seines Vorgängers verheiratet war, ein Teil seines Lebens. Fast eineinhalb Jahrzehnte lang waren sie allein mit sich und ihren Kindern, dem Meer und der Insel, die ihnen Ort ewiger Bewährung war. Ein Leben wie eine Insel. Für uns war Memmert nur ein ferner Strich am Horizont. Wir haben uns damals einfach für andere Dinge interessiert.

 

 

Nun, fast 20 Jahre später und lange nach dem Tod von Gerd Pundt, hatte ich auf dem überschaubaren Schiff einen der nur    40 Plätze ergattert. Unter der Flagge des Naturschutzbundes Ostfriesland nimmt die „Wappen von Juist“ vom beschaulichen Fischerort Greetsiel aus Kurs auf die einsame Insel. Im Laufe der beiden Jahrzehnte hatte ich mittlerweile alle Ostfriesischen Inseln erkundet.


Ich bin auf Borkum Inselbahn gefahren, bin auf Juist am weiten Strand spazieren gegangen, habe auf Norderney Gesundheit aus dem Meer inhaliert, bin bei Ebbe durch das Wattenmeer nach Baltrum gewandert, habe auf Langeoog die einzigartige Pflanzen- und Vogelwelt erkundet, habe Spiekeroogs unverwechselbaren Charme erlebt und auf Wangerooge die Hektik des Alltags vergessen. Nur auf der Insel Memmert, über die ich in der Zwischenzeit so viel gelesen hatte, war ich noch nie. Ein Ort der Verheißung. Es gibt sie also noch, die unberührten Flecken Erde: So winzig Memmert auf dem Globus ist, so winzig sind scheinbar in der restlichen Welt auch die Kenntnisse über dieses abgelegene Eiland mit dem merkwürdigen Namen, dessen Ursprung bis heute ungeklärt ist.

 

An Bord treffe ich Mitreisende, denen zwar der Inselname vertraut ist, aber nicht die Geschichte: Bereits 1586 nämlich, nehmen holländische Geographen „de Meem“, den Memmert, in einer Seekarte auf. In einer amtlichen Beschreibung von 1650 wird Memmert als Sandbank beschrieben, „die nicht mehr bei einer gemeinsamen Flut unterläuft und stellenweise Bewuchs trägt“. Auf einer Karte von 1720 heißt er „Memer Sandt“, 1828 dann bereits Memmert. Otto Leege, Lehrer auf Juist, war 28 Jahre alt, als er 1888 zum ersten Mal die Sandbank zwischen Juist und Borkum betrat. In den folgenden Jahren sorgte er durch das Stecken von Buschzäunen und Anpflanzungen von Strandhafer dafür, die Dünenbildung auf der kleinen Insel zu verstärken und dadurch auch einen Zufluchtsort und ein neues Zuhause für Seevögel zu schaffen.

 

 

Vor 100 Jahren dann, beantragt der „Deutsche Verein zum Schutze der Vogelwelt“ die „Einrichtung einer Vogelschutzkolonie auf dem Memmert“. Am 31. Juli 1907 stimmt der damalige preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten diesem Antrag zu und verpachtet Memmert an Leege und seine Mitstreiter, die im Jahr darauf mit ersten intensiven Dünenschutzarbeiten beginnen. Der Memmert-Vater, Dr. h.c. Otto Leege, starb am 17. Dezember 1951 in Norden, Ostfrieslands ältester Stadt. Schon 1921 erfüllt Sohn Otto junior, der eigentlich Maschinist bei der Marine war, den Lebenstraum seines Vaters. Er zieht dauerhaft nach Memmert. Drei Jahre später wird die Insel per Minister-Erlass schließlich zum Staatlichen Naturschutzgebiet erklärt. Leege junior wird zum ersten Inselvogt berufen und erhält Lohn und tatkräftige Unterstützung von der staatlichen Wasserbauverwaltung.

 

Im Nachkriegsjahr 1946, nach seinem plötzlichen Tod im Alter von nur 48 Jahren, setzt seine Frau Therese (Thea) Leege mit drei Kindern zunächst die Arbeit bis 1956 allein auf Memmert fort. Danach folgt Gerd Pundt, Ehemann von Klara, der ältesten Tochter von Otto und Therese Leege. Pundt übt das Amt bis 1972 aus. Im Jahr darauf folgt Reiner Schopf. Er verlässt nach mehr als 30-jähriger Tätigkeit – lange allein, die letzten zwölf Jahre mit seiner Lebensgefährtin Barbara – Memmert erst im August 2003 im Alter von 65 Jahren als Rentner wieder. Für ihn war die Insel Sehnsuchtsort und Fluchtpunkt zugleich. Im Vergleich dazu hat es der berühmte Robinson Crusoe aus der Feder von Daniel Defoe „nur“ 28 Jahre auf seiner Insel ausgehalten. „Der Robinson war ja überwiegend damit beschäftigt, sich selbst am Leben zu halten. Ich bin damit beschäftigt, für die Tiere was zu tun“, sagte Schopf einmal.

 

Wie die Robinson-Crusoe-Insel Isla Mas a Tierra wurde auch Memmert durch die Literatur quasi über Nacht weltbekannt. Mit „Das Rätsel der Sandbank“ („The Riddle of the Sands“) erfand der Ire Erskine Childers im Jahr 1903 den Spionageroman – auch 100 Jahre später noch ein Kultbuch. Seine Theorie legt er anhand eines geheimnisvollen Militär-Manövers dar, das zwei englische Segler auf Memmert auskundschaften. Sie glauben, dass das kaiserliche Deutschland von der deutschen Küste aus eine Invasion mit Schleppern und Schuten in England vorbereite. Die Theorie stieß auf große Beachtung. „Das Rätsel der Sandbank“ wurde Pflichtlektüre des britischen Geheimdienstes – und ist es bis heute für jeden Nordsee-Fan geblieben.


„Liebe Besucherinnen und Besucher“, informiert uns vorab eine Broschüre des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, „die Insel Memmert liegt in der Ruhezone. Diese Bereiche dürfen wegen ihrer überragenden Bedeutung für die Natur der Wattenregion ganzjährig nicht betreten werden. Die Nationalparkverwaltung hat sich entschieden, nach dem Ende der Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel den Besuch von Gruppen auf der Insel in begrenztem Umfang zuzulassen.“ Als wir mit der „Wappen von Juist“ in See stechen, graut der Morgen. Jetzt gegen Mittag und nach einem kurzen Zwischenstopp auf Juist, liegt Memmert im gleißenden Licht der Mittagsonne vor uns. Begleitet von großen Schwärmen von Alpenstrandläufern, Brachvögeln und Austernfischern, steuert Kapitän Gerhard Eilers sein Schiff vorsichtig aus der tiefen Fahrrinne auf das hohe Sandwatt der Insel und lässt es mit der Ebbe trocken fallen. Einen Anleger gibt es nicht.


Wir haben das Gefühl, in ein Niemandsland zu reisen. In eine menschenleere Landschaft. Doch im Watt wartet bereits der Inselvogt auf uns, braun gebrannt mit Bart und Zopf, lässig mit einem Zigarillo im Mundwinkel. Er ist der einzige Bewohner des einzigen Hauses auf der 500 Hektar großen Vogelinsel. Ein Mann wie ein Leuchtturm. Über eine Leiter klettern wir von Bord zu ihm hinunter. Enno Janßen, Jahrgang 1961, langjähriger Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden, hat hier im Frühjahr 2003 Posten bezogen und die Nachfolge von Reiner Schopf angetreten. Zuvor war er beim NLWKN für die Auswertung der Inselvermessung zuständig. Der Herr über das kreisfreie Eiland, der, wie er schmunzelnd sagt, sein eigener Bürgermeister und Landrat ist, begrüßt uns freundlich auf seiner kaum zugänglichen Insel – und nicht wie Eindringlinge. Janßen stapft schnellen Schrittes vorweg über das Watt zum Strand. Wir folgen und gruppieren uns schließlich um ihn und ein paar ausgestopfte Vögel. Gebannt lauschen wir seinen Ausführungen.


Memmert ist ein Vogelparadies: rund 40 Arten, davon viele bedrohte, brüten alljährlich hier. Dazu zählen die Fluss-, Küsten- und Brandseeschwalben sowie die am stärksten bedrohte kleine Zwergseeschwalbe. Auch Rotschenkel, Brachvögel und die eleganten, langbeinigen Säbelschnäbler sind hier zu Hause. Rohr- und Kornweihen und die seltene Sumpfohreule ziehen ihre Jungen groß. Die farbenprächtigen Brandgänse haben ihre Nester in Kanninschenhöhlen. Und sehr häufig sieht man Austernfischer mit ihren langen roten Beinen und Schnäbeln. Die Silber- und Heringsmöwen haben hier große Brutkolonien. Für viele Vögel ist Memmert ein Zuhause, für andere lediglich eine Zwischenstation. Ein Schlaraffenland ist es für alle. Bis zu hunderttausend Vögel versammeln sich manchmal zur Hochwasserzeit auf der Insel, um zu rasten. Bei Ebbe finden sie im umliegenden Wattenmeer reichlich Nahrung. Beeindruckende Vogelwolken steigen manchmal wie große Rauchschwaden am Rand des Grünlandes auf. All dies beobachtet und protokolliert Janßen im Auftrag des Landes Niedersachsen.

 

Die Insel erkunden wir zu Fuß. Zunächst am Strand entlang, der meine Ahnung nährt: Genau diesen Ort müssen Träumer und Philosophen vor Augen gehabt haben, als sie sich auf die Suche nach dem Wohnort des menschlichen Glücks machten. Da ist sie wieder, die Vorstellung vom Paradies. Ein Strand ohne Fußspuren. Wir müssen zwar während der Führung in der Gruppe zusammenbleiben. Dennoch habe ich das Gefühl, dass mir die Insel und ihr Zauber ganz alleine gehören. Wie ein Mahnmal ragt das Fundament des einstigen Wohnhauses der Familie Pundt aus dem Wasser und zeugt von Vergänglichkeit. „Strömungen und Sturmfluten verändern die Insel ständig“, sagt Janßen. Seit den 1980er Jahren hat sie sich dramatisch verkleinert. So ist rund ein Drittel des höheren Geländes Sturmfluten zum Opfer gefallen. „Zudem wandert die Insel Richtung Osten.“


Wir erklimmen die steilen Aussichtsdünen und streifen anschließend durch das überraschend üppige Inselgrün bis zum Haus von Enno Janßen. Doch wo immer wir hingehen, sind wir von der kargen Schönheit Memmerts fasziniert. Wir stehen auf der Terrasse seines Hauses, das seit 1970 hoch oben in den schützenden Norddünen liegt, und schauen über die Insel. Weit draußen blinkt unser Schiff, das immer noch am Strand liegt. Einige zarte Gartenpflanzen zur Selbstversorgung stecken in Töpfen. „Der Kaninchen wegen“, erklärt Janßen, der uns dann in einem kleinen Ausstellungsraum Flora und Fauna noch einmal anschaulich näherbringt. Viel interessanter als die Natur sind allerdings die Fragen nach dem entbehrungsreichen Leben hier. Fühlt man sich nicht allein?  Wie ist das Leben in dieser Abgeschiedenheit? Einsam, so als einziger Mensch auf einer immerhin 500 Hektar großen Insel zwischen Juist und Borkum?


„Nein“, sagt der sympathische und hochgewachsene Robinson Crusoe der Nordsee, „ich bin nicht einsam, ich bin allein.“ Er hat sich eingefügt in dieses Leben. Und wie oft telefoniert er mit seiner Frau, die auf dem Festland ein Café betreibt, oder mit seinem Sohn? „Fast täglich. Ich muss doch wissen, was in Ostfriesland passiert!“ Der Strom wird über eine Solaranlage erzeugt. Lebensmittel und Trinkwasser kauft der Vogt auf der Nachbarinsel Juist oder auf dem Festland. Und was macht Janßen so ganz allein auf der Insel? Wie sieht seine Arbeit, wie sehen seine Aufgaben aus? „Abends schreibe ich auf, was am nächsten Tag zu erledigen ist. Alles wird schriftlich festgehalten.“ Und nach dem Frühstück um 7.30 Uhr geht es dann los: Der Inselvogt beobachtet die kurz- und langfristigen Veränderungen der Inseln und Sandbänke – er ist Morphologe. Er erfasst die Brut- und Wasserwatvögel – Janßen ist Ornithologe. Er bittet Wassersportler, die Insel nicht zu betreten – er ist Polizist. Er ist Küstenschützer, Gärtner, Totengräber und Müllmann, sammelt alles, was den gefiederten Inselmitbewohnern gefährlich werden könnte: Fischernetze, Taue und sonstige Fundstücke, die zweimal im Jahr mit dem Landungsboot aufs Festland gebracht werden. Wie sieht es mit der Arbeitszeit aus? „Eine 40-Stunden-Woche gibt es nicht. Auch keinen Feierabend oder ein Wochenende“, erzählt er. Für uns nimmt er sich an diesem Sonntag ja auch Zeit. Und kürzlich sei gegen 22 Uhr ein Segler in Inselnähe vor Anker gegangen, „da bin ich noch mal raus und habe nachgesehen, ob die wohl an Land wollen.“ Wollten sie aber nicht.

 

 

Nach viel zu kurzen zwei Stunden ist unser Aufenthal auf Memmert wieder beendet. Die Flut naht – und ein Gewitter. Wieder eilt Enno Janßen mit schnellen Schritten voraus. Er scheint zu ahnen, was uns da bevorsteht. Und tatsächlich: Noch bevor wir unser Schiff erreichen, ergießt sich dann über uns ein heftiger Regenschauer. Von August bis September empfängt er zweimal wöchentlich Besuchergruppen. „Dann hat man 40 Leute vor der Nase stehen und soll denen was erzählen. Das hatte ich noch nie in meinem Leben gemacht“, hatte er anfangs Lampenfieber, sagt aber: „Heute mache ich’s gerne!“ Seine Gäste möchte er davon überzeugen, dass Memmert auch in Zukunft ein Fleckchen unberührte Natur bleiben muss. Auch wenn er vor allem seine Familie vermisst, fühlt er sich wunschlos glücklich auf der Insel.


„Ich habe mich noch nie so wohl  mit meiner Arbeit gefühlt. Wenn Beruf von Berufung kommt, dann an dieser Stelle“, schickt er uns wehmütig auf die Heimreise. Über die Leiter klettern wir wieder zurück an Bord der „Wappen von Juist“. Unser Aufbruch erfolgt überstürzt und gleicht einer Flucht. An Land lassen wir Enno Janßen mit sich und der einzigartigen Natur zurück, der anders als sein Vorgänger in der dunklen Jahreszeit von November bis Februar nicht auf der Insel lebt. Auf den plötzlichen Regenschauer folgt Sonne und mit ihr erstrahlt ein Regenbogen achtern, in Gelb und Rot, Grün und Blau und allen nur erdenklichen Zwischenfarben über der Insel. Schöner könnte auch das Licht im Paradies kaum leuchten.


Vorbei an Sandbänken, auf denen sich faul einige hundert Seehunde und die größeren Kegelrobben lümmeln, umrunden wir die neueste „Ostfriesische Insel“: die Kachelotplate. Sie liegt fünf Kilometer westlich der Insel Juist, knapp drei Kilometer nordwestlich von Memmert und darf – wie die größere Schwesterinsel – nicht betreten werden. Ihr Name leitet sich aus dem Französischen ab und heißt übersetzt „Pottwal“. Vor 50 Jahren war dort nur eine etwas größere Sandbank zu sehen. Heute ist die Plate fast drei Kilometer lang und mehr als einen Kilometer breit. In den höher gelegenen Bereichen wachsen bereits Pflanzen. Dennoch sprechen Küstenschützer konsequent von einer Sandbank, weil Sturmfluten oder Strömung die Kachelotplate schnell wieder schrumpfen lassen könnten. Aber auch Memmert hat sich aus einer Sandbank entwickelt. „Beherzigen Sie eine einfache Regel: Lassen Sie nichts zurück – außer Fußstapfen; nehmen Sie nichts mit – außer Bildern“, steht es in der Broschüre geschrieben, die ich aus der Innentasche meiner Jacke hervorhole, während wir Memmert noch einmal backbords passieren. Meine Fußstapfen hat der Sturzregen schon längst wieder verwischt. Aber meine Bilder, die bleiben mir. Vor allem aber die Erinnerung an ein unvergessliches Abenteuer – und an meinen Musiklehrer Gerd Pundt.

 

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