Das Wattenmeer gehört zum Weltnaturerbe.

Niedersachsen schönste Bauernhöfe liegen direkt an der Nordsee gleich hinter dem Deich.
Fast wie Herrenhäuser stehen sie da, die breiten Gebäude mit dem Backsteinmauerwerk, den reich verzierten Schmuckfassaden und den schneeweißen Fensterrahmen. Gulfhöfe. Keine anderen Bauten prägen die norddeutsche Landschaft zwischen Ems und Elbe so nachhaltig, ein ganz besonderer und sehr eigenwilliger Landstrich mit vielen Gesichtern. Von jeher haben die Menschen hier an der Nordsee dem Meer und den Mooren Land abgerungen und eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft erschaffen. Sie ist bis heute Heimat von Fischern und Bauern.
Das Gulfhaus hat Stil und Geschichte. Mal klein, mal groß: Bäume beschatten das Gehöft. Darunter tief geduckt ein imposantes Gebäude, die roten Scheunendächer bis fast zum Boden, zuweilen mit efeuumwucherten Giebeln und Säulenportalen geschmückt – so liegen die Gulfhöfe verstreut im Land. Sie trotzen Wind und Wetter und scheinen für die Ewigkeit gebaut. Viele von ihnen sind auf Warften, von Menschenhand geschaffenen Erdhügeln, gebaut, dieses diente zum Schutz vor den Fluten, als es an der Nordsee noch keine Deiche gab. Häuser mit Gesicht und Seele.
Kultur entdecken, Landschaft erfahren: Ein Landurlaub ist die beste und schönste Gelegenheit, mehr über diese Gebäude und ihre Geschichte, über die Menschen, die hier leben, und die Landwirtschaft zu erfahren. Großstadtkinder können das Leben auf dem Land kennen lernen. Wenn der Bauer dann seine Kühe melkt, ist er selten allein. Meist wird er von neugierigen Kindern und ihren Eltern umringt, die endlich mit eigenen Augen sehen wollen, wo die Milch eigentlich herkommt und sogleich die erste Überraschung erleben: hier sind die Kühe schwarz-weiß und nicht lila, so wie in der Schokoladenwerbung! Die Kleinen können sich gar nicht wieder beruhigen, denn das hatten sie nicht erwartet und freunden sich sogleich mit den schwarz-weißen Milchspendern an. So manche Familie veranstaltet während ihres Landurlaubs ein Picknick im Kuhstall – mit frisch gemolkener Milch. In der großen Scheune tollen im Sommer die Kinder ständig auf den Strohballen herum, während es sich ihre Mütter dort mit einer leichten Ferienlektüre im hauseigenen Garten bequem gemacht haben.
Ferien auf dem Bauernhof richten sich traditionell an Familien mit Kindern, aber das ist kein Muss. Auch immer mehr Paare auf der Suche nach einer schönen Unterkunft auf dem Land entdecken Bauernhöfe für sich. Während ihrer Urlaubszeit bekommen die Gäste das Leben auf dem Bauernhof hautnah mit – vom Melken und Füttern angefangen bis hin zur Geburt eines Kälbchens vielleicht. Bei einem Hofrundgang zu Beginn des Ferien-Aufenthaltes lernen sich Gastgeber und Gäste schnell kennen. Ziel ist es, die Urlauber in die Bauernfamilie zu integrieren. Und den direkten Kontakt zu ihren Gastgebern schätzen die meisten Urlauber sehr.
Außer den Kühen und Hühnern, deren Produkte die Urlauber frisch auf dem Bauernhof genießen können, stellen die Landwirte ihre Schweine und die Streichelzoo-Besatzung vor: mit Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen oder Ponys. Schon bald toben die Kinder auf dem Hof herum, so dass die Erwachsenen sich weitgehend ungestört über die Situation in der Landwirtschaft im Allgemeinen und den riesigen „Plaatsen“ der Großbauern im Besonderen unterhalten können. Früher, wisssen die Landwirte über ihre Vorfahren zu berichten, haben Mensch und Vieh ohne Raumteilung unter einem Dach gelebt – die friesischen Bauern hielten neben Rindern in erster Linie Schafe, deren Wolle zu Tuchen verarbeitet wurde.
Den römischen Schrifttabellen und dem kaiserlichen Offizier Plinius dem Älteren wird eine – wie es allerdings scheint, reichlich oberflächliche – Beschreibung der Nordseeküste nachgesagt. Möglicherweise beruht diese nicht auf eigener Anschauung, sondern auf Berichten, die römische Legionäre des Drusus von dessen Feldzug 12 - 9 vor Christus gegen die Germanen heimbrachten.
Dort jedenfalls ist die Redevon einem „bedauernswerten Volk auf Erdhügeln. Sie wühlen mit ihren Händen . . . Schlamm auf . . ., damit kochen sie ihr Essen, damit wärmen sie den Leib“. Die Römer hätten schon etwas genauer hinschauen müssen. Denn die Spatenforschung der letzten Jahrzehnte lieferte nicht nur Beweise von Handel und Wandel an der Nordseeküste seit dem 5. vorchristlichen Jahrhundert, sie förderte auch den Nachweis einer standfesten Behausung zutage, nämlich das dreischiffige friesische Hallenhaus mit seiner Herdstätte an der Schmalseite.
Dieses als Ergebnis archäologischer Grabungen an der Nordseeküste sichergestellte und auch in seiner äußeren Erscheinung verlässlich rekonstruierte Haus gilt als Urahn sowohl des niederdeutschen Hallenhauses als auch des noch heute weit verbreiteten Gulfhauses. Für das Land am Meeresrand waren die im 12. Jahrhundert einsetzenden Eindeichungen gegen die Nordseefluten der Beginn für einen anhaltenden Aufschwung. Der Wohlstand der Bauern wird bis heute zudem in der Ausstattung mancher Kirchen sichtbar.