Franzius im Watt_web

0,0006 Meilen unter dem Meer

Mit einem letzten schmatzenden Geräusch lässt sich das 22 Meter lange Segelschiff „Franzius“ auf den Meeresgrund sinken. Die Passagiere klettern vergnügt von Bord. Das gibt’s nur an der Nordsee.

Mitten im Pitsch-Patsch des größten Wattenmeeres auf unserem Planeten nehmen sie Platz auf mitgebrachten Regiestühlen und lauschen bei dampfender Seemannskost der unglaublichen Geschichte der Nordsee und ihrer Menschen. 

350 Millionen Jahre alt ist das liebste Meer der Deutschen, genauer sein ursprüngliches Becken. Das Watt selbst ist dagegen ein unsteter Jungspund. Seit ihrer Entstehung nach der Weichseleiszeit vor rund 10.000 Jahren ändert die Wattenmeerlandschaft immer wieder ihr Gesicht – geformt von Sand und Schlick, Ebbe und Flut, Wind und Wellen. Schier grenzenlose Natur, die seit 2009 auf 400 Küsten- und 9.500 Quadratkilometern von den Niederlanden bis an die Grenze Dänemarks unter dem Schutz der UNESCO steht – gelobt als „überragende Naturerscheinung von außergewöhnlicher und ästhetischer Bedeutung“ und Weltnaturerbe. Neben den Hochalpen ist das Wattenmeer die letzte weitgehend naturbelassene Großlandschaft Europas und eines der größten Feuchtgebiete der Erde. Es muss schon etwas ganz Besonderes sein, wenn es auf die Weltnaturerbe-Liste gelangen konnte. Dazu bedarf es einer wirklich einzigartigen, intakten und durch nachhaltige Schutzmaßnahmen gesicherten Natur.

Durch das Zusammenspiel der Gravitation von Mond und Sonne hebt und senkt sich der Meeresspiegel im Wattenmeer zwei Mal pro Tag um einen bis drei Meter. Die Franzius-Passagiere können so barfuß durch die Schlicklandschaft der niedersächsischen Nordsee bummeln und einige der 10.000 hier lebenden Tier- und Pflanzenarten erkunden, wo sonst 54.000 Kubikkilometer Wasser schwappen. Mindestens zehn Stunden dauert so eine Wattenmeersafari für 79,50 Euro (Jugendliche 45 Euro) mit der Franzius, einem Gaffelsegler, der historischen Lastenkähnen um 1800 nachempfunden ist. Noch bis Ende September startet das Schiff von Bremerhaven aus nach Fahrplan zur Expedition Meeresgrund. Mit dem einströmenden Meerwasser geht es für die Franzius wieder heimwärts, wo hinter der Nordsee die bewohnte Welt beginnt. 

Von Dänemark bis zu den Niederlanden leben Millionen Menschen an den Deichen der Nordsee. Sie genießen und erkunden das Wattenmeer wann immer es geht mit vielen Ideen, gerne auch mit ihren Gästen. Etwa beim Schweinswal-Watching im Jadebusen zwischen März und Mai wenn Hunderte der bis 1,85 Meter langen Zahnwahle in seichte Gewässer ziehen. Bester Aussichtspunkt an Land: das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum am Wilhelmshavener Südstrand.

Der Wattenmeer-Urlaubs-Klassiker bleibt aber die Wattwanderung. Wie ihr Meer mögen die Norddeutschen Individualität, weshalb es DIE Wattwanderung eigentlich gar nicht gibt. Da wandern Hundefreunde auf geführten Touren vor der Küste des Wangerlandes umher und begegnen dabei Schöngeistern bei „Lyrik im Watt“. Auch schweigen können die Wattführer mal, etwa auf der „Stille im Watt“-Tour, die mit Entspannungsübungen am Strand und den Geräuschen von Wellen, Wind und Nordseegetier wunderbar zum Energietanken geeignet ist. Wieder andere wandern zur Vogelschutzinsel Minsener Oog oder laufen auf einer Tagestour von Neßmersiel nach Baltrum, zur kleinsten der sieben Ostfriesischen Inseln. Bei Flut fahren die Gäste von hier gemütlich mit der Fähre heimwärts. Zwischendrin gibt es mit etwas Glück gar frisch vom Meeresgrund gesammelte Austern zu schlürfen. Die Salzwiesen sind die Nahtstelle zwischen Deich und Watt. Durch sie marschieren 4-Jährige bis 104-Jährige gleichermaßen auf einer „märchenhaften“ Tour“ und gehen Fragen wie "Was hat der Löwenzahn mit dem Gold der Zwerge zu tun?“ oder „Wie sind die Pflanzen in der Salzwiese entstanden?“ auf den Grund. Und so weiter, und so weiter - selbst im Winter ist watt los im Wattführerterminkalender.

Kühn wie sie sind, haben die Nordsee-Bewohner im Laufe der Jahrhunderte noch allerhand andere Fortbewegungsmöglichkeiten auf dem Meeresgrund vor ihrer Haustür probiert. Und die locken jedes Jahr Hunderttausende Zuschauer ins Watt. Aber keine Sorge, es ist mehr als reichlich Platz für alle da. Neben Barfußgängern und nach Fahrplan auf den Meeresgrund sinkenden Schiffen, galoppieren und traben die Menschen an der niedersächsischen Nordseeküste im Sommer auch über den Wattenmeerboden. Etwa beim Duhner Wattrennen, einem sechsstündigen Turfklassiker zwischen zwei Fluten vor der imposanten Kulisse eines Weltschifffahrtsweges. Mit den hölzernen Schlickschlitten, auch Wattschlitten oder Schlickrutscher genannt, schlingert dagegen zur „Schlickschlitten-Wältmeisterschaft“ vor dem Deich von Upleward in der Krummhörn nicht unbedingt der Schnellste zum Sieg. Auch ein entsprechend schönes Kostüm muss der Gewinner mit an den Start gebracht haben. Nach dem Rennen strahlt das dann in fröhlichem schlickgrau.  

Bei allem Spaß ist so etwas auch immer gelebte Kulturgeschichte. Einst fuhren die Fischer mit solchen Schlickrutschern durchs Watt um ihre Reusen zu kontrollieren und den Fang heimwärts zu schlittern, Pferde holten mit Krabbenkörben den Fang aus der Brandung oder kutschierten Passagiere und Post durch das Watt. Wer also echtes Weltnaturrebe in einer der großartigsten Landschaften der Erde entdeckt und dabei nach Art der Nordseemenschen urlaubt, der erlebt eine ganz besondere Welt jenseits der „Oberfläche“.

 

Hinweis: Diese Presseinformation wurde von safari public relations Berlin für DIE NORDSEE GMBH erstellt.

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